Direkteinsprünge



Buchabbildung "Margot von Opel."

In den 1970er Jahren war ich im Theater am Kirchplatz in Schaan, Liechtenstein, beschäftigt. Margot ging oft ins Theater und war ziemlich beschlagen. Nach den Vorstellungen saß sie an der Bar, lobte selten, meistens ätzte sie. Mir gefiel die hagere elegante Dame, die ein bißchen wie der Alte Fritz aussah. Was Preußisches hatte sie auch an sich. Ich sprach sie an und sie freute sich, jemanden aus der Frankfurter Gegend kennenzulernen. Sie habe früher in Frankfurt und Wiesbaden gelebt und dort zweimal geheiratet, sagte sie. Wir befreundeten uns rasch. Sie hatte gern etwas jüngere Leute um sich; das passte, sie war fünfundsiebzig, ich war fünfunddreißig.

Zehn Jahre, von 1977 bis 1987, waren wir befreundet. 1986 verließ ich Liechtenstein und zog nach Frankfurt. Margot starb 1993. Nach ihrem Tod dachte ich, man müsste das bewegte Leben meiner Freundin, das fast das ganze 20. Jahrhundert umfasste, dokumentieren.

Margot erzählte in diesen Jahren vornehmlich von ihrer Ehe mit Fritz von Opel. Ihre Rede war klaglos, etwas spöttisch und selbstkritisch. Notizen machte ich mir keine, und eine Tonbandaufnahme gab nach all den Jahren nur Gekrächze von sich. Ich gab den Plan auf. Im August 2019 aber wendete sich das Blatt: Manfred Schlapp, der Margot bis zu ihrem Lebensende häufig besucht hatte, schenkte mir eine Hutschachtel, vollgestopft mit Photos von Margot, ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Tieren. Die Tier-Bilder waren mit Namen und Alter gekennzeichnet. Bei Menschen stand nichts. Anhand der Photos und zahlreicher Recherchen konnte ich einige Stationen in Margots Leben ausmachen. Viele waren mir unbekannt.

Das Buch möge den wenigen Menschen, die Margot gekannt haben, und allen, die noch etwas mit ihrem Namen verbinden können, eine kleine Freude bereiten.

Ulrike Schiedermair
November 2020